KFZ-Markt im 1. Quartal 2020

Normalerweise ist der März der Monat, in dem der Automarkt an Fahrt aufnimmt. Aber was ist schon normal in diesen Zeiten.

Der Automobilmarkt steht still (Stand April 2020). Die Produktion ruht weitestgehend, die meisten Zulassungsstellen waren in März geschlossen.

Im 1. Quartal 2020 nahm die Zahl der Neuzulassungen von Pkw gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um 32,4% ab. Wenngleich laut Statistik Austria bereits im Jänner (-9,1%) und Februar (-10,9%) Neuzulassungsrückgänge gemeldet wurden, ist die starke Abnahme im Quartal auf März 2020 mit 66,7% weniger Pkw – bedingt durch die Auswirkungen der Corona Krise - zurückzuführen.

Bei den Gebrauchtzulassungen von Pkw konnten im Jänner (+3,7%) und im Februar (+0,1%) noch leichte Zuwächse gegenüber demselben Vergleichszeitraum verbucht werden. Im März allerdings wurden deutliche Rückgänge (-48,7%) beobachtet. Somit wurden im 1. Quartal 2020 um 17,8% weniger Pkw gebraucht zugelassen.

Kann man in solchen Zeiten zuverlässige und seriöse Prognosen für den KFZ-Markt wagen? Eher nicht. Verschiedene Szenarien sind denkbar, verlässlich ist zum aktuellen Zeitpunkt keine. Auf der einen Seite ist der Mobilitätsbedarf temporär heruntergegangen, andererseits scheint sich bei denen, die mobil sein müssen, ihre Mobilität von öffentlichen Verkehrsmitteln auf den (eigenen) Pkw zu verlagern. Wird Carsharing unter Hygienegesichtspunkten weiterhin eine Rolle für den Endverbraucher spielen? Hat die Krise Einfluss auf das Kaufverhalten? Diese und weitere Fragen haben Einfluss auf das Wertverhalten der Neu- und Gebrauchtwagen: Im Pkw-Bestand gibt es ein hohes Volumen an klassischen Segmenten wie Kompakt- und Kleinwagen. Sollte die Kaufkraft sinken, könnten Menschen eher diese Pkw statt höherpreisige SUV kaufen. Aufgrund der möglicherweise angespannteren finanziellen Situation der Endverbraucher könnten auch günstigere und damit oft ältere Fahrzeuge stärker in den Fokus rücken als beispielsweise Jahreswagen oder Werksdienstwagen. Werden somit Gebrauchtwagen häufiger als Alternative zum Neuwagen gesehen? Sind alle Hersteller gleichermaßen betroffen? Hier stellt sich die Frage, wie sich die Hersteller nach einem Wiederhochfahren des Marktes positionieren (z.B. über Incentives). Was passiert mit den oftmals doch noch hochpreisigen Leasingrückläufern, die in hohen Volumen am Markt sind? Diese sind in der Regel nach drei Jahren mit gut der Hälfte des ehemaligen Listenneupreises auch als Gebrauchte bisher sehr gefragt gewesen. Sie stellen aber im Anschaffungspreis für den Gebrauchtwagenkäufer immer noch eine hohe Investition dar.

Gibt es kurzfristige Trends – z.B. Einbruch der E-Mobilität und alternative Antriebe? Diese sind meist teurer. Was passiert mit den CO2-Grenzwerten? Werden diese für 2020 ausgesetzt, um die Wirtschaft schneller anzukurbeln?

Den oben genannten Fragen und vielen weiteren gehen wir aktuell schon nach. Auch wenn die finalen Erkenntnisse noch einige Zeit auf sich warten lassen, geben erste Indikatoren schon einen Ausblick auf die intensive und herausfordernde Zeit, die wir alle noch vor uns haben.

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